Ein Nationalpark in der Bayerischen Rhön

 

 

Fragen der Gemeinde Schönau a.d. Brend zu einem möglichen Nationalpark Rhön

Warum hält die Staatsregierung an der 10.000 ha Marke mit einer problematischen Gebietskulisse fest, obwohl es auch wesentlich kleinere aber fachlich hochwertige und bekannte Nationalparks wie z. B. Hainich oder Kellerwald gibt? (auch ohne internationale Anerkennung)

Das Umweltministerium strebt bei allen aktuell diskutierten Kandidaten für einen dritten Nationalpark in Bayern eine Mindestgröße von 10.000 ha an. In Art. 13 des bayerischen Naturschutzgesetzes (BayNatSchG) ist festgelegt, dass Nationalparke eine Mindestfläche von 10.000 ha haben sollen. Diese Mindestgröße wird auch durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und den Dachverband deutscher Großschutzgebiete EUROPARC Deutschland gestützt.
Dass auf diese Mindestflächengröße von 10.000 ha bei aktuell in Deutschland ausgewiesenen Nationalparken großen Wert gelegt wird, zeigen der Nationalpark Schwarzwald (2014 ausgewiesen mit 10.062 ha Flächengröße) und der Nationalpark Hunsrück-Hochwald (2015 ausgewiesen mit 10.230 ha Flächengröße).

Wenn bei der aktuellen Gebietskulisse rundum ein Streifen von 500- 800 m Pflegezone eingerichtet wird, wie soll dann eine Kernzone von 75 % der Fläche erreicht werden?

Nationalparke werden in verschiedene Zonen eingeteilt. In der Naturzone wird ein möglichst ungestörter Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik ermöglicht. Gemäß den internationalen Richtlinien der internationalen Naturschutzorganisation (IUCN) ist dies auf mindestens 75% der Fläche umzusetzen. Dieses Ziel kann über einen längeren Zeitraum (bis zu 30 Jahre) sukzessive erreicht werden. Dazu wird eine Entwicklungszone festgelegt. In der Rand- bzw. Pflegezone können erforderliche Pflege- bzw. Managementmaßnahmen, wie Borkenkäfermanagement, waldbauliche Maßnahmen oder Beweidung dauerhaft durchgeführt werden. Landschaftlichen und sonstigen regionalen Besonderheiten (z. B. Nutzungsrechte) kann im Rahmen der Ausgestaltung der Verordnung Rechnung getragen werden.

Die Zonierung eines möglichen Nationalparks Rhön mit der genauen Lage von Rand- bzw. Pflegezonen wird ein zentrales Thema in der Konzeptphase sein und wird zusammen mit den Beteiligten (z. B. Gemeinden, angrenzende Waldbesitzer, etc.) detailliert erarbeitet werden.

Grundsätzlich werden Pflegezonen zum Schutz angrenzender Kulturlandschaft (sog. Randzonen) nur dort eingerichtet, wo dies auch tatsächlich notwendig ist. Randzonen von 500 bis 800 Meter sind insbesondere in Bereichen notwendig, wo Fichtenforste innerhalb eines Nationalparks an Fichtenforste in der umgebenden Kulturlandschaft angrenzen.

 

Es besteht die Besorgnis, dass in der Rhön durch Käferbefall ähnliche Kahlflächen wie z. B. im Bayerischen Wald oder im Harz entstehen kann die Staatsregierung garantieren, dass das nicht geschieht?

Die Ausgangslage in der aktuell diskutierten Gebietskulisse Rhön unterscheidet sich erheblich von der Situation im Harz oder Bayerischen Wald. Während in diesen Regionen ausgedehnte, fichtendominierte Nadelwälder vorkommen, zeichnet sich die Rhön durch vielfältige Waldbilder mit Mischwäldern und Laubwäldern auf weit überwiegendem Flächenanteil aus. Das Entstehen von großflächigen Kahlflächen durch Borkenkäferbefall ist nicht zu erwarten.

Wie soll das Waldmanagement in den nächsten Jahren einerseits in der Pflegezone andererseits in der Kernzone gestaltet werden wird das Nadelholz durch aktive Maßnahmen großteils entfernt oder wird das natürlichen Prozessen überlassen? Aktuell bildet sich auf Kahlflächen aus Nadelholzbestockung wieder eine neue Generation aus Nadelholz, wird diese dann auch wieder entfernt? Sind evtl. auch Pflanzmaßnahmen von Laubholz geplant?

Aufgrund des Sachzusammenhangs werden die beiden voranstehenden Fragen zusammen geantwortet.
In denjenigen Naturzonen, die von Anfang an eingerichtet werden können findet von Anfang an Prozessschutz statt. Somit findet dort kein aktives Waldmanagement statt. Die genaue Ausgestaltung des Waldmanagements in den Entwicklungs- und Pflegezonen hängt entscheidend von dem jeweiligen Ziel der Pflegezone ab (z. B. Förderung von Eichen, Waldschutz, etc.). Die genaue Ausgestaltung des Waldmanagements in den Entwicklungs- und Pflegezonen wird ein zentrales Thema in der Konzeptphase sein und wird zusammen mit den Beteiligten (z. B. Gemeinden, angrenzende Waldbesitzer, etc.) detailliert erarbeitet werden. Bei Pfle-gemaßnahmen anfallendes Holz könnte auch genutzt werden.
In der Entwicklungs- und Pflegezone können nach Bedarf aktive forstliche Maßnahmen bzw. Waldumbaumaßnahmen stattfinden. Aber auch in der Entwicklungs- und Pflegezone stehen die Ziele eines Nationalparks im Vordergrund. Ob bei nicht vorhandenem Naturverjüngungspotential (z. B. keine Samenbäume) im Einzelfall auch eine aktive Förderung von standorttypischen Baumarten durchgeführt werden muss, ist Gegenstand weiterer konzeptioneller Überlegungen und hängt stark von der konkreten Situation im jeweiligen Bestand ab.

 

Wie lange wird es dauern bis der angestrebte alte Buchenwald auf der überwiegenden Fläche erreicht wird?

Ziel eines Nationalparks ist Prozessschutz (insb. in der Naturzone). Das bedeutet, die natürlichen Prozesse können weitestgehend ungestört ablaufen und der Wald kann sich ohne Eingreifen des Menschen möglichst ungestört entwickeln. Ein Ziel eines Nationalparks ist zunächst also das Ermöglichen dieser natürlichen Prozesse, nicht das Erreichen eines definierten Waldzustandes. Unabhängig davon ist anzunehmen, dass sich ein weit überwiegender Teil des Waldes im Gebiet hin zu einem buchendominierten Laubmischwald mit einem Mosaik aus alten und sich verjüngenden Baumbeständen entwickeln und so ein natürlicher Wald in seiner ganzen Vielfalt entstehen kann. Der Zeitrahmen für diese Entwicklungen hängt entscheidend von der Ausgangssituation ab.

Wie soll die nachhaltige Bereitstellung von Brennholz für die örtliche Bevölkerung nach der Übergangsfrist von 30 Jahren erreicht werden? (Wenn keine Pflegemaßnahmen mehr erfolgen)

Die Brennholzversorgung der örtlichen Bevölkerung soll sich durch einen Nationalpark in keiner Weise verschlechtern. Das bedeutet: Es wird sichergestellt, dass zum einen das bisher zur Verfügung stehende Volumen an Brennholz auch weiter örtlich verfügbar ist. Zum anderen wird dafür Sorge getragen, dass die Einrichtung eines Nationalparks nicht zu höheren Kosten für den Brennholzbezug führt. In einem gemeinsam mit der Region zu entwickelnden Brennholzkonzept, das vom StMUV auch mit den Bayerischen Staatsforsten abgestimmt wird, werden pragmatische und belastbare Regelungen zur Sicherung des Brennholzbezugs getroffen werden können.
Erfolgreich werden Brennholzkonzepte für die örtliche Bevölkerung im Nationalpark Hunsrück umgesetzt. Die Bevölkerung wird dort mit Brennholz aus der näheren Umgebung der jeweiligen Dörfer versorgt – zum Teil mit Brennholz aus der Pflegezone des Nationalparks selbst und zum anderen Teil aus den angrenzenden Staatswaldflächen. Die Bevölkerung zeigte sich dort von Anfang an zufrieden mit diesem Brennholzkonzept, was dazu führt, dass das Thema Brennholz bei den regelmäßig von der Nationalparkverwaltung durchgeführten Bürgerforen kein kontroverses Thema mehr ist.

Die Bereitstellung dieser Mengen wird durch die Nationalparkverwaltung zu einem guten Teil aus der Bereitstellung von Holz aus der Pflegezone sichergestellt werden können. Grundsätzlich kann in einem Nationalpark nach internationalen Standards dauerhaft (also auch nach 30 Jahren) auf bis zu 25% der Fläche Managementmaßnahmen (Pflegezonen) durchgeführt werden. Im Rahmen dieser Managementmaßnahmen anfallendes Holz könnte somit auch nach 30 Jahren aus dem Nationalpark bezogen werden.
Ergänzend erklären sich die Bayerischen Staatsforsten als Staatsunternehmen grundsätzlich und in konstruktiver Weise dazu bereit, an einem Brennholzkonzept mitzuwirken, um eventuellen aus den Pflegezonen nicht zu deckenden Bedarf für eine ausreichende Brennholzversorgung der örtlichen Bevölkerung durch die Nationalparkverwaltung sicherstellen zu können.

Mit welchem Holzanfall aus dem NP ist in den nächsten 30 Jahren zu rechnen?

Durch die Ausweisung eines Nationalparks kommt es zu einer veränderten Zielsetzung und damit auch zu einer Nutzungsänderung. Zum jetzigen Zeitpunkt können jedoch zu aus dem Nationalpark zukünftig anfallenden Holzmengen noch keine abschließenden Aussagen getroffen werden. Dies hängt entscheidend von der abschließenden Gebietskulisse sowie der Zonierung ab. Beides soll im Rahmen der Konzeptphase zusammen mit der Region im Detail ausgearbeitet werden.

Woher soll in späteren Jahren das dringend benötigte Nutzholz für die regionalen Sägewerke kommen?

Durch die Ausweisung eines Nationalparks kommt es zu einer veränderten Zielsetzung und damit auch zu einer Nutzungsänderung.

Durch die Schaffung einer nutzungsfreien Kernzone, die – ausgehend von einem zunächst geringeren Anteil – über einen Entwicklungszeitraum von bis zu 30 Jahren hinweg erweitert und im Endzustand einen Anteil von 75 % an der gesamten Nationalparkfläche einnehmen soll, wird schrittweise ein gewisses Holzvolumen für eine handwerkliche oder industrielle Nutzung nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Versorgung der regionalen holzbe- und verarbeitenden Betriebe wird dadurch jedoch nicht eingeschränkt. Die Nationalparkverwaltung wird gemeinsam mit den Betrieben der BaySF und den Abnehmern ein Versorgungskonzept erarbeiten, dass durch verschiedene Maßnahmen (u. a. Priorisierung der Rundholzversorgung regionaler Betriebe) die Rohstoffgrundlage dieser Betriebe auch langfristig sicherstellt.