Ein Nationalpark in der Bayerischen Rhön

 

 

Fragen des BJV zum Wildtiermanagement in einem möglichenNationalpark Rhön

Wie viele Pirschbezirke und verpachtete Reviere privater Jäger gibt es aktuell im Suchraum des angedachten Nationalparks Rhön und wie gedenkt das Ministerium damit umzugehen?

Insgesamt mehr als 350 private Jäger jagen in den staatlichen Regiejagdflächen der Forstbetriebe Bad Brückenau und Hammelburg, die innerhalb der Suchkulisse für einen möglichen dritten Nationalpark in der Rhön liegen. Diese Zahl setzt sich zusammen aus 42 Pirschbezirklern und ca. 25 Sammelansitzteilnehmern sowie den privaten Jägern, die die weit überwiegende Zahl der Teilnehmer an den zahlreichen Drückjagden in den von der Suchkulisse des StMUV tangierten Flächen der Forstbetriebe Bad Brückenau und Hammelburg stellen. Darüber hinaus sind die Jäger zu berücksichtigen, die in den innerhalb der Suchkulisse liegenden 8 verpachteten Staatsjagdrevieren zur Jagd gehen. Die Zahl der dort jagenden Personen ist den Bayerischen Staatsforsten nicht bekannt.

In welcher Form kann die private Jägerschaft beim Wildtiermanagement beteiligt werden, oder ist es geplant, dies ausschließlich über Berufsjäger oder staatlich Bedienstete abzudecken?

In einem Nationalpark orientiert sich das Wildtiermanagement an den Zielsetzungen des Nationalparks und dem Schutz angrenzender Kulturlandschaft. In den beiden bayerischen Nationalparken wird das Wildtiermanagement von nationalparkeigenem Personal umgesetzt. Eine Einbeziehung privater Jäger bei der Umsetzung des Wildtiermanagementkonzepts ist aber durchaus vorstellbar und wird für die Rhön angestrebt. In dem jüngst ausgewiesen Nationalpark Hunsrück kommt den privaten Jägern eine wesentliche Rolle beim Management zu. Auch in den Nationalparken Harz und Kellerwald-Edersee kommen private Jäger bei der Schalenwildregulierung zum Einsatz.
In einem ersten Schritt gilt es nun durch unabhängige Jagdexperten die Probleme der in der Gebietskulisse vorkommenden Schalenwildarten zu analysieren. Darauf aufbauend werden Eckpunkte für ein Wildtiermanagementkonzept entwickelt, mit den Jagdbehörden abgestimmt und dem Jagdverband diskutiert. Darauf aufbauend werden dann gemeinsam Lösungen entwickelt.

 

Gibt es eine Pufferzone mit jagdlichen Einschränkungen um den Nationalpark herum oder finden sich die Pufferzonen innerhalb der Nationalparkkulisse?

Ein Nationalpark kann für die jagdliche Nutzung außerhalb seiner Grenzen keine Regelung treffen. Daher wird es auch keine jagdlichen Einschränkungen auf außerhalb des Nationalparks gelegene Gebiete geben.

Die große Grundpopulation des Schwarzwildes in der Region und die Vielzahl an Grenzlinien in der avisierten Fläche könnte das Schwarzwildproblem nach Ansicht der Jägerschaft weiter verschärfen. Integriert ein Wildtiermanagement für den Nationalpark auch Flächen außerhalb, die von privaten Jägern gepachtet sind?

Zum jetzigen Zeitpunkt können noch keine endgültigen Aussagen über den Verlauf und Umfang von Grenzlinien eines möglichen Nationalparks getroffen werden. Dem weiteren Dialogprozess ist es nun vorbehalten, die Gebietskulisse weiter zu konkretisieren und mit der Bevölkerung einen maßgeschneiderten Nationalpark zu entwickeln.
Die Populationsdynamik des Schwarzwildes stellt in der Rhön unter der Zielsetzung der Vermeidung von Schäden auf angrenzenden Flächen eine besondere Herausforderung dar. Das Umweltministerium stellt sich dieser Herausforderung. Um hier Lösungsansätze zu erarbeiten und zur Klärung gebietsspezifischer Fragen wird das Umweltministerium abgestimmt mit dem Land- und Forstministerium eine Expertise bei Jagdexperten beauftragen. Im Zuge dieser Studie wird die aktuelle Situation analysiert und basierend darauf möglicherweise zu erwartende Probleme abgeschätzt bzw. ermittelt und dafür Lösungsansätze erarbeitet.
Ein Nationalpark hat keine Auswirkungen auf Bereiche außerhalb seiner Grenzen (siehe Frage 3). Zur Umsetzung des Wildtiermanagements ist jedoch eine gemeinsame Abschussplanung mit Hegegemeinschaften bzw. angrenzenden privaten Nachbarrevieren im Rahmen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit wünschenswert und wird angestrebt.

 

Ist die Reduktion des Schwarzwilds durch Saufang eine Option im künftigen Nationalpark?

Es ist Auftrag der Nationalparkverwaltung, einen Schutz der angrenzenden Flächen vor Schwarzwildschäden zu gewährleisten. Hierfür soll im Bedarfsfall das gesamte Spektrum an möglichen Bejagungsstrategien im Einklang mit jagd- und tierschutzrechtlichen Vorgaben ausgeschöpft werden. Eine Reihe von Bausteinen stellt hierfür das durch Staatsminister Brunner 2015 veröffentlichte Maßnahmenpaket zur nachhaltigen Reduktion des Schwarzwildes zur Verfügung (Saufang kann ein Baustein sein).
Gleiches gilt auch für Maßnahmen zur Vorbeugung von (Wild-)Seuchen. Im Falle des Auftretens der Schweinepest wird der Nationalpark selbstverständlich alle erforderlichen Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen.

Ist es geplant, im Zuge einer Nationalparkausweisung den Flächenzuschnitt für die Rotwildgebiete anzupassen oder sogar weitere Flächen, die schon jetzt Kernzone und Pflegezone des Biosphärenreservats sind, zu integrieren.

Grundsätzlich dient ein Nationalpark dem Schutz der ganzen Natur und natürlicher Prozesse. Dazu gehört neben dem Wald selbstverständlich auch das Rotwild (und andere heimische Wildtiere) als wichtiger Bestandteil des Naturhaushalts. Es ist ein zentrales Ziel eines möglichen Nationalparks, möglichst ungehinderte Wanderbewegungen dieser Arten innerhalb seiner Grenzen zu ermöglichen.
Ein Großteil des Suchraums eines möglichen Nationalparks Rhön liegt bereits jetzt innerhalb des bestehenden Rotwildgebietes „Spessart/Rhön“, welches sich weiter nach Nordosten bis zur Landesgrenze und nach Südwesten bis in den Spessart erstreckt. Ob sich aus wildbiologischen oder anderen Gesichtspunkten im Laufe des Dialogprozesses weitere Notwendigkeiten der Anpassung des Rotwildgebietes ergeben, wird das StMUV in Abstimmung mit der zuständigen Jagdbehörde am StMELF klären.

Soll analog zum Bayerischen Wald das Rotwild in Wintergattern gefüttert und dort auch die Reduktionsabschüsse getätigt werden?

Zur Vorbereitung der Diskussion der mit der Jagd in einem möglichen Nationalpark Rhön zusammenhängenden Fragen wird das StMUV in Kürze in enger Abstimmung mit dem StMELF eine Expertise in Auftrag geben. Unabhängige Jagdexperten werden die aktuellen Bestände und Probleme der in der Gebietskulisse vorkommenden Schalenwildarten analysieren und daraus Lösungen ableiten. Darauf aufbauend werden Eckpunkte für ein Wildtiermanagementkonzept entwickelt, mit den Jagdbehörden abgestimmt und dem Jagdverband diskutiert. Darauf aufbauend werden dann gemeinsam Lösungen entwickelt. Schon jetzt kann aber festgehalten werden, dass die Einrichtung von Wintergattern in niedrigen bis mittleren Mittelgebirgslagen und somit auch in der Rhön keine Tradition hat.

Besteht innerhalb der Nationalparkkulisse die Möglichkeit, Äsungsflächen für Wildtiere in Form von Wildwiesen zu gestalten und zu erhalten?

Ziel eines Nationalparks ist Prozessschutz auf mind. 75% seiner Fläche, das bedeutet die natürlichen Prozesse können weitestgehend ungestört ablaufen. Liegen innerhalb des Nationalparks naturschutzfachlich oder landschaftlich bedeutende Offenlandflächen, so sollen diese auch in einem Nationalpark offen gehalten werden, damit sie ihre Naturschutzwertigkeit und ihren Wert für die Eigenart der Landschaft nicht verlieren. Die offen zu haltenden Flächen würden dann in die Pflegezone des Nationalparks integriert werden. Ein Nationalpark kann bis zu 25% Pflegezone enthalten, in der durch geeignete Management- und Pflegemaßnahmen bestimmte Zustände der Landschaft erhalten werden.
Unabhängig davon ist davon auszugehen, dass sich durch die natürlichen Prozesse innerhalb des Nationalparks sowie aktive Gestaltungsmaßnahmen in der Entwicklungs- und Pflegzone der Umfang der Äsungsflächen für Wildtiere eher erhöhen wird.

Welche Konzepte zum Prädatorenmanagement sind angedacht, vor allem wenn wertvolle Offenlandflächen (SPA-Gebiete) mit Bodenbrütervorkommen angrenzen oder im funktionalen räumlichen Zusammenhang mit Nationalparkflächen stehen? Wie geht man in einer Nationalparkkulisse mit Neozoen (Waschbär, Marderhund) um??

In einem Nationalpark orientiert sich das Wildtiermanagement an den Zielsetzungen des Nationalparks und dem Schutz angrenzender Kulturlandschaft. In der Regel zielt das Wildtiermanagement somit auf Schalenwildarten ab. Soweit es jedoch aus Gründen des Artenschutzes erforderlich ist, kann die Jagdausübung im Einzelfall auf weitere Wildarten erfolgen (z.B. Neozoen).
Durch ein sich an diesen Eckpunkten orientierendes Wildtiermanagement sind nach aktuellem Kenntnisstand und Sachlage keine erheblich negativen Auswirkungen auf umliegende Bodenbrütervorkommen zu erwarten.

Ist es denkbar, dass bei einer Etablierung von Luchsen, die Abschussquote für Rehwild im
Nationalpark gesenkt wird?

In wieweit Auswirkungen auf die Rehwildbestände durch mögliche Vorkommen von Luchsen in der Region zu verzeichnen sind, bliebe einem entsprechendem Monitoring in einem Nationalpark vorbehalten. Bei der Diskussion dieser Frage ist zu beachten, dass Luchse sehr große Reviere haben. So beträgt die Reviergröße eines Luchskuders ca. 150-400 km², also ist um ein Vielfaches größer als ein potenzieller Nationalpark in der Rhön von rund 10.000 ha.
Das Wildtiermanagement und die damit verbundene Abschussplanung in einem Nationalpark werden aber regelmäßig an die entsprechenden neuen Gegebenheiten und Entwicklungen angepasst. Die Abschussplanungen werden von der Nationalparkverwaltung als untere Jagdbehörde in enger Abstimmung mit den angrenzenden unteren Jagdbehörden, den umliegenden Hegegemeinschaften, Jagdgenossenschaften, regionalen Organisationen der Jagd etc. vorgenommen. Darüber hinaus betreibt ein Nationalpark auch wildbiologische Forschungen und das Wildtiermanagement unterliegt einer fortlaufenden Evaluierung. Der Abschussplanung gehen umfangreiche Monitoringmaßnahmen wie Verbiss- und Schälgutachten oder Wildzählungen, Schalenwildmonitoring etc. voraus.

Welche Vermarktungsstrategie wird für Wildpret aus einer Nationalparkkulisse verfolgt?

Das Wildpret wird im Rahmen der Möglichkeiten von der Nationalparkverwaltung verwertet. Im Nationalpark Bayerischer Wald wird das Wildpret z.B. weit überwiegend an Privatpersonen und örtliche Gaststätten und Metzgereien verkauft.

Werden auch zukünftig die Unteren Jagdbehörden bei den Abschussplanungen beteiligt bzw.
hoheitlich eingebunden?

Eine an jagdlichen Kriterien und Interessen ausgerichtete Bejagung von Revierflächen wird in einem Nationalpark generell durch ein in der Verantwortung der Nationalparkverwaltung stehendes Wildtiermanagement ersetzt.
Die Nationalparkverwaltung regelt das Wildtiermanagement für das Nationalparkgebiet. In dieser Funktion erstellt sie auch die Abschusspläne als Bestandteil des Wildtiermanagements. Der tatsächliche Abschuss wird an die Oberste Jagdbehörde gemeldet. Die Abschussplanung erfolgt in Abstimmung mit den angrenzenden unteren Jagdbehörden.

Wie ist der Umgang mit Verbissschäden in angrenzenden Privatrevieren, wenn diese durch hohe Wildkonzentrationen innerhalb der Nationalparkkulisse forciert werden.

Das Wildtiermanagement und die damit verbundene Abschussplanung in einem Nationalpark werden regelmäßig an die entsprechenden neuen Gegebenheiten und Entwicklungen angepasst. Die Abschussplanungen werden von der Nationalparkverwaltung als untere Jagdbehörde in enger Abstimmung mit den angrenzenden unteren Jagdbehörden, den umliegenden Hegegemeinschaften, Jagdgenossenschaften, regionalen Organisationan der Jagd etc. vorgenommen. Der Abschussplanung gehen umfangreiche Monitoringmaßnahmen wie Verbiss- und Schälgutachten oder Wildzählungen, Schalenwildmonitoring etc. voraus. Darüber hinaus betreibt ein Nationalpark auch wildbiologische Forschungen und das Wildtiermanagement unterliegt einer fortlaufenden Evaluierung. Sollten sich also an den angrenzenden Privatrevieren zu hohe Verbissschäden zeigen, so wird das Wildtiermanagement des Nationalparks entsprechend angepasst.

Wie wird die Wildfolge in Nationalparkflächen üblicherweise gehandhabt?

Die Frage der Wildfolge richtet sich in Nationalparkflächen nach dem Bayerischen Jagdgesetz. Grundsätzlich gelten z. B. für die Wildfolge im Nationalpark Bayerischer Wald die Regelungen des Bayerischen Jagdgesetzes. Mit einzelnen benachbarten Jagdrevieren (z.B. mit dem Forstbetrieb Bodenmais oder dem Forstrevier Arber des Fürsten Hohenzollern) gibt es schriftliche Wildfolgevereinbarungen.

Welche Bejagungsstrategie und Altersklassenverteilung des Rotwildes wird in Nationalparkflächen bevorzugt, vor dem Hintergrund, dass Trophäenjagd üblicherweise nicht praktiziert wird. Führt der Nationalpark bei der Rotwildbewirtschaftung ein "Eigenleben" oder ist er in die Bejagungsstrategien und -richtlinien der bestehenden Rotwildgemeinschaften bzw. Rotwildringe integriert?

Das Wildtiermanagement und als dessen Teil auch der Abschussplan im Nationalpark orientiert sich in erster Linie an der Zielsetzung, Wildtiere und indirekt ihre Lebensräume, insbesondere den Wald, in Anlehnung an natürliche Mechanismen zu managen. Darüber hinaus stellt das Wildtiermanagement auch die Bekämpfung von Tierseuchen und auch den Schutz der umgebenden Kulturlandschaft vor zu hohen Wildbeständen sicher. Somit wird der Schalenwildbestand in einem möglichen Nationalpark in der Rhön u. a. mit dem Ziel reguliert, dass durch diesen kein erhöhter Wildschaden in den angrenzenden Gebieten entsteht.
Zur Umsetzung des Wildtiermanagements ist eine gemeinsame Abschussplanung mit Hegegemeinschaften bzw. angrenzenden privaten Nachbarrevieren im Rahmen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit wünschenswert und wird angestrebt. Beispielsweise erfolgt bei der Abschussplanung beim Rotwild eine Abstimmung der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald mit der Hochwildhegegemeinschaft.
Begleitet wird das Wildtiermanagement durch ein Monitoring und durch wildbiologische Forschung, deren Ergebnisse in die Abschussplanung einfließen.