Ein Nationalpark im Frankenwald

 

 

Antworten auf die in der aktuellen Diskussion wichtigsten Fragen

Ist der Frankenwald naturschutzfachlich für einen Nationalpark geeignet?

Das Gebiet Frankenwald ist naturschutzfachlich charakterisiert durch störungsarme und wenig zerschnittene große Waldgebiete. Naturschutzgebiete, Naturwaldreservate und Teile eines FFH-Gebiets kommen im Gebiet vor. Der Frankenwald zeichnet sich durch ein bundesweit herausragendes Schwarzstorch-Vorkommen aus. Das grenznahe Nationalparkgebiet wäre an das bundesweite Biotopverbundsystem Grünes Band angebunden. Ein Nationalpark Frankenwald wäre ein Entwicklungsnationalpark.

Werden die Wanderwege zurückgebaut?

Ein Nationalpark soll die Natur für die Menschen erlebbar machen. Daher wird auf eine attraktive Besucherinfrastruktur zum Beispiel durch Themenwege und eine attraktive und erlebnisreiche Wegeführung großen Wert gelegt. Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es beispielsweise rund 350 Kilometer markierte Wanderwege und rund 200 Kilometer markierte Radwege. Im Nationalpark Berchtesgaden gibt es ein Netz von insgesamt 260 Kilometern Wanderwegen und alpinen Steigen.

 

Was wird aus den Verbindungswegen im Frankenwald?

Ein Nationalpark ist auch für die Menschen da. Denn Nationalparke dienen neben dem Schutz der Natur („Natur Natur sein lassen“) wesentlich auch der naturkundlichen Bildung und dem Naturerleben. Die Besucher sollen durch ein attraktives Angebot an Wegen, Informationen und Führungen die Natur hautnah erleben und genießen können. Sowohl für Einheimische als auch für Touristen bleibt das Gebiet deshalb selbstverständlich auch weiterhin zugänglich. Für bestehende Wege z.B. zu Privatflächen oder Hofstellen besteht Bestandsschutz.

Was wird gegen den Borkenkäfer getan? Sind umliegende Wälder gefährdet?

Fichten sind durch den Borkenkäfer gefährdet. Durch ein aktives Borkenkäfermanagement in der Randzone kann die Ausbreitung in angrenzende Wälder verhindert werden. Dieses Konzept wird im Nationalpark Bayerischer Wald sehr erfolgreich praktiziert. Im Nationalpark Bayerischer Wald findet in der Randzone ein intensives und sehr erfolgreiches Borkenkäfer-Management statt. Dadurch wird ein Übergreifen auf angrenzende Privatwälder verhindert.

 

Was wird aus der Trinkwassertalsperre Mauthaus?

In einem Nationalpark gilt für die bestehenden Trink- und Abwasseranlagen Bestandsschutz. Wenn eine neue Anlage gebaut werden muss, gelten dafür dieselben Genehmigungsverfahren im Nationalpark wie außerhalb. Ggf. erforderliche Ausnahmen oder Befreiungen werden im Rahmen dieser Verfahren geprüft. Die Gemeinden um Berchtesgaden und im Bayerischen Wald beziehen ihr Trinkwasser zu einem erheblichen Teil aus den Nationalparken.

Was heißt Wildtiermanagement?

Eine an jagdlichen Kriterien und Interessen ausgerichtete jagdliche Bewirtschaftung von Revierflächen wird in einem Nationalpark generell durch ein in der Verantwortung der Nationalparkverwaltung stehendes Wildtiermanagement ersetzt.

In allen terrestrischen deutschen Nationalparken wird ein Wildtiermanagement für Schalenwild durchgeführt. Das Management verhindert, dass Tierseuchen oder Schäden in angrenzenden Gebieten entstehen und sorgt dafür, dass die Schutzziele innerhalb des Nationalparks verwirklicht werden können.

Wie soll in einem möglichen Nationalpark mit der Schwarzwildproblematik umgegangen werden?

Eine an jagdlichen Kriterien und Interessen ausgerichtete jagdliche Bewirtschaftung von Revierflächen wird in einem Nationalpark generell durch ein in der Verantwortung der Nationalparkverwaltung stehendes Wildtiermanagement ersetzt.

Ziel dieses Wildtiermanagements ist es u.a. angrenzende Flächen vor Schwarzwildschäden zu schützen. Hierfür soll im Bedarfsfall das gesamte Spektrum an möglichen Bejagungsstrategien im Einklang mit jagd- und tierschutzrechtlichen Vorgaben ausgeschöpft werden. Gleiches gilt auch für Maßnahmen zur Vorbeugung von (Wild-)Seuchen. Im Falle des Auftretens der Schweinepest wird der Nationalpark selbstverständlich alle erforderlichen Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen.

Werden Privatwald-Besitzer enteignet, wenn sie im Nationalpark-Gebiet liegen?

Es wird keine Enteignungen geben. Für Nationalparke kommen vorwiegend Gebiete in Staatseigentum in Betracht. Private Flächen oder Flächen von Kommunen können nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Eigentümer etwa im Wege eines Kaufs oder eines Tausches berücksichtigt werden. Es soll mit der Region ein maßgeschneiderter Nationalpark entwickelt werden. Flächen, zu denen der Eigentümer kein Einverständnis für eine Integration in die Nationalparkkulisse gegeben hat, die aber innerhalb der Kulisse liegen, können als sogenannte "Enklaven" behandelt werden. Dies wird in der Nationalparkverordnung festgeschrieben.

Hätte ein Nationalpark Auswirkungen auf die Landwirtschaft in der Region?

Die Suche nach einem dritten Nationalpark umfasst vorwiegend Gebiete in Staatseigentum und zwar vor allem Staatswaldflächen. Landwirtschaftliche Flächen werden nicht integriert. Generell werden private Flächen nur einbezogen, wenn der Eigentümer das wünscht. Es wird keine Enteignungen geben. In Privatwäldern außerhalb von Nationalparkflächen gibt es keinerlei Nutzungseinschränkungen, die Eigentümer können ihre Wälder wie bisher bewirtschaften.

Außerdem wird das Waldmanagement eines Nationalparks so ausgerichtet, dass der Nationalpark keine Auswirkungen auf die angrenzenden privaten Flächen hat.

Können regionale Sägewerksbesitzer weiter ihrer Arbeit nachgehen?

Die Suchkulisse umfasst nur Staatswald, private Flächen werden nur einbezogen, wenn der Eigentümer das wünscht. Es würden lediglich 10.000 Hektar des Frankenwalds schrittweise aus der Nutzung genommen.

Hier können gemeinsam mit den Bayerischen Staatsforsten Lösungen erarbeitet werden, die die Holzversorgung regionaler Betriebe auch in Zukunft sicherstellen. Es ist z.B. vorstellbar, dass regionale Sägewerke bevorzugt bedient werden.

Wird ein konkretes Brennholzkonzept erstellt werden? Wenn ja, bis wann?

Ja, gemeinsam mit der Region, d.h. mit der Bevölkerung, den Kommunen und den Bayerischen Staatsforsten wird ein Brennholzkonzept entwickelt werden. Dieses wird bis zum Eintritt in das förmliche Ausweisungsverfahren (Verordnungsverfahren) stehen.

Was wird aus den Mitarbeitern der Bayerischen Staatsforsten?

Die neue Nationalparkverwaltung wird den bislang im Forstbetrieb Beschäftigten eine Übernahme in die Nationalparkverwaltung anbieten und zugleich besteht das Angebot, sich für neue attraktive Aufgaben zu qualifizieren.

Wie geht der Prozess zur Suche eines dritten Nationalparks in Bayern weiter?

In der derzeit laufenden Dialogphase werden in mehreren geeigneten Regionen in Abstimmung mit den jeweiligen politisch Verantwortlichen intensive Gespräche geführt. Zum Ende dieser Dialogphase hin wird gemeinsam mit den im jeweiligen Landkreis politisch Verantwortlichen zu bewerten sein, wie es um die Voraussetzungen für einen dritten Nationalpark steht und ob die Bereitschaft zur Fortsetzung des Verfahrens in der Region gegeben ist. Es ist das Ziel des Umweltministeriums, im Juli eine Entscheidung durch den bayerischen Ministerrat herbeizuführen, mit wem der Dialog zum dritten Nationalpark fortgesetzt wird. Eine positive Interessensbekundung der Region zum Abschluss der laufenden Dialogphase stellt jedoch keine abschließende Zustimmung von Seiten der Region zur Einrichtung eines Nationalparks dar. Artikuliert werden soll hier ausschließlich, ob die Region den Wunsch hat, in die nächste Phase des Nationalparkentwicklungsprozesses einzutreten. In dieser Phase sollen durch das Umweltministerium gemeinsam mit der ausgewählten Region Eckpunkte eines „maßgeschneiderten Nationalparks“ erarbeitet werden. Erst auf der Basis der dann vorliegenden Eckpunkte wird mit der Region eine Entscheidung zur Einrichtung eines Nationalparks in dieser Form herbeizuführen sein.

Die abschließende Entscheidung über die Einrichtung eines Nationalparks trifft dann die Bayerische Staatsregierung mit Zustimmung des Bayerischen Landtags.

Kommen in den weiteren Phase Kosten auf die Kommunen zu?

Auf die Kommunen kommen keine Kosten zu.