Häufige Fragen

Spezielle Fragen

Fragen und Antworten zu einem möglichen Nationalpark im Spessart

Allgemeine Fragen

Wird die Bevölkerung aus dem Nationalpark ausgesperrt?

Im Gegenteil: Das Naturerleben ist in Nationalparken ausdrücklich erwünscht. Denn Nationalparke dienen neben dem Schutz der Natur ausdrücklich auch der naturkundlichen Bildung und dem Naturerleben. Die Besucher sollen durch ein attraktives Angebot an Wegen, Informationen und Führungen an die Natur herangeführt werden. Sowohl für Einheimische als auch für Touristen bleibt das Gebiet grundsätzlich auch weiterhin zugänglich.

Was bedeutet ein Wegegebot?

Nach der Bayerischen Verfassung hat jedermann das Recht auf den Genuss der Naturschönheiten und auf die Erholung in der freien Natur. Das gilt auch in Nationalparken. Das Erholungsrecht kann aber in Teilen der freien Natur etwa aus Naturschutzgründen oder auch in Wildschutzgebieten sowohl in Nationalparken als auch außerhalb von Nationalparken beschränkt werden. Beispielsweise durch gezielte Besucherlenkungsmaßnahmen oder ein sogenanntes Wegegebot, das heißt die Verpflichtung, bei Wanderungen in einem bestimmten Bereich die vorgegebenen Wege nicht zu verlassen. Wird ein Wegegebot erlassen, sind verträgliche Lösungen zu finden, wobei insbesondere die Belange von Erholungssuchenden berücksichtigt werden. Dies kann auch ein Gewinn sein, denn in Nationalparken wird auf eine attraktive Besucherinfrastruktur zum Beispiel durch Themenwege und eine attraktive und erlebnisreiche Wegeführung großer Wert gelegt. Ein Wegegebot wird nur dort erlassen, wo es aus zwingenden Gründen zum Schutz von Naturschönheiten oder gefährdeter und störungssensibler Arten (z.B. Auerhuhn) erforderlich ist.

Zum Beispiel im Nationalpark Bayerischer Wald sind rund 55% des Nationalparks, vor allem die ortsnahen Lagen, ganzjährig frei betretbar. Zum Schutz gefährdeter und störungssensibler Arten (z.B. Auerhuhn), zum Schutz der Moore vor Trittbelastung oder zum Schutz markanter Felspartien (z.B. Wanderfalkenbrutplätze) wurde aber im Nationalpark Bayerischer Wald ein Wegegebot ausgesprochen. Wichtig: markierte Wege können im Nationalpark im Kerngebiet, also dort wo ein Wegegebot besteht, . ganzjährig begangen werden. Damit Erholungssuchende möglichst viele Freiheiten haben, ist es darüber hinaus in der Zeit vom 15. Juli bis 15. November eines Jahres grundsätzlich auch im Kerngebiet erlaubt, nicht markierte Wege und Steige zu begehen.

Im Nationalpark Berchtesgaden besteht kein Wegegebot, da weite Teile der Felsregion aufgrund der natürlichen Voraussetzungen ohnehin unzugänglich sind. Besucher werden mit geeigneten Informationen zum angepassten Verhalten im Nationalpark und durch Routenempfehlungen und eine geeignete Infrastruktur im Rahmen der Besucherlenkung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur motiviert. Außerdem tragen viele freiwillige Vereinbarungen dazu bei, mit einer Erholungsnutzung möglicherweise einhergehende Störungen geschützter Arten und Lebensräume zu minimieren.

Dürfen in Nationalparken weiterhin Pilze gesammelt werden?

Grundsätzlich ja. Pilze dürfen in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf und an Stellen, die keinem Wegegebot unterliegen, gesammelt werden. So können im Nationalpark Bayerischer Wald in den ortsnahen und ganzjährig frei betretbaren Lagen Pilze gesammelt werden. Betretungsregelungen können im Einzelfall dazu führen, dass bestimmte Bereiche nicht mehr, nur zu konkreten Zeiten oder auf bestimmten Wegen betreten werden dürfen. Das kann Auswirkungen auf das Sammeln von Pilzen haben.

Ist Tourismus in Nationalparken nicht gewollt?

Im Gegenteil: Nationalparke sind Tourismusmagnete, die Ausweisung einer Region als Nationalpark führt zu einer Attraktivitätssteigerung für Naturtourismus. Das Qualitätsmerkmal Nationalpark steht in der Tourismusbranche synonym für die Premiummarke im Naturtourismus und ist damit wesentlicher Werbeträger für eine Region. Nationalparke sind ein entscheidendes Element für den naturnahen Tourismus und ziehen jedes Jahr Millionen von Besuchern an. Das gehört auch zu ihren Aufgaben. Nationalparke sollen auch der naturkundlichen Bildung und dem Naturerlebnis der Bevölkerung dienen, soweit dies dem Schutzzweck des Gebiets nicht entgegensteht. Die Öffnung des Zugangs für die Allgemeinheit entspricht der Grundidee eines Nationalparks, wonach der Mensch von der unberührten Natur nicht ausgeschlossen sein soll. Hierdurch sollen vor allem Interesse und Verständnis geweckt werden für die komplexen Zusammenhänge von Ökosystemen, für die Gefährdung von Arten und Biotopen sowie für die Bedeutung der Natur als Grundlage menschlichen Lebens. Auch durch Maßnahmen der Besucherlenkung kann im Einzelfall eine Vereinbarkeit mit den Schutzzwecken eines Nationalparks hergestellt werden.

In den Nationalparken Bayerischen Wald und in Berchtesgaden wird sanfter Tourismus von den Nationalparkverwaltungen sogar gezielt gefördert. So unterstützt die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald beispielsweise die Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald (touristischer Zusammenschluss der Nationalpark-Gemeinden). Auch wurde eine sehr hochwertige Besucherinfrastruktur geschaffen, die neben den Besucherzentren unter anderem auch ein Führungsprogramm sowie ein Wanderwege- und Radwegenetz enthält. Aktuell belegen etwa 1,3 Millionen Besucher die Attraktivität des Nationalparks für Erholung und Tourismus. Eine sozioökonomische Studie der Universität für Bodenkultur in Wien zeigte, dass für rund 60% der Besucher des Bayerischen Walds der Status als Nationalpark eine große Rolle für den Besuch des Gebietes spielt. Dies erkennen auch die 70 Nationalparkpartnerbetriebe in der Region an, die schwerpunktmäßig vom Tourismus leben und ganz bewusst eine Partnerschaft mit der Nationalparkverwaltung eingegangen sind.
Ganz ähnliche Ergebnisse liegen für den Nationalpark Berchtesgaden vor. Im Nationalpark Berchtesgaden wurde das Nationalparkzentrum Haus der Berge, das im Mai 2013 eröffnet wurde, bereits von mehr als 500.000 Personen besucht. Den Nationalpark besuchen pro Jahr etwa 1,6 Millionen Menschen. Auch hier finden in sehr großem Umfang Führungen und Veranstaltungen statt, verbunden und abgestimmt mit den örtlichen Tourismuseinrichtungen. Es besteht ebenfalls ein gut ausgebautes Wander- und Radwegenetz.

Verschwinden durch Prozessschutz kulturhistorisch bedeutsame Objekte wie Schachten oder Eichenbestände?

Der sog. "Prozessschutz" im Nationalpark bedeutet, die natürlichen Prozesse möglichst ungestört ablaufen, also "Natur Natur sein" zu lassen. Dies gilt für die Kernzone des Nationalparks. Hier werden die Flächen der Natur überlassen, sodass sie sich gemäß ihrer natürlichen Dynamik entwickeln können.. Im Rahmen des Verfahrens zur Ausweisung eines Nationalparks bestehen Möglichkeiten, auf berechtigte Sondersituationen bei bestimmten Flächen Rücksicht zu nehmen. So besteht die Möglichkeit, in der Verordnung Ausnahmen festzulegen. Eine gewisse Flexibilität ist auch erforderlich, weil sich nicht alle Flächen für einen Prozessschutz eignen. Die Pflegezone, in der Pflegemaßnahmen wie etwa Mahd, Beweidung oder waldbauliche Maßnahmen möglich sind, kann sich dauerhaft auf bis zu 25% der Gesamtfläche eines Nationalparks erstrecken.

Im Nationalpark Bayerischer Wald wurde beispielsweise in der Nationalparkverordnung festgelegt, dass kulturhistorisch wertvolle Flächen wie etwa Weideschachten zu erhalten sind. Damit ist es Aufgabe der Nationalparkverwaltung, die Flächen durch entsprechende Pflegemaßnahmen zu erhalten. Im Nationalpark Berchtesgadener Land wird beispielsweise auf traditionelle Nutzungen wie etwa die Almwirtschaft, die Schifffahrt und die Fischerei am Königssee besondere Rücksicht genommen.

Führt das Prinzip "Natur Natur sein lassen" zum Verschwinden von Arten und reduziert die biologische Vielfalt?

Artenreichtum und biologische Vielfalt nehmen im Gebiet eines Nationalparks weiter zu. Verschiedene Untersuchungen haben in Waldnationalparken eine ungleich höhere Artenvielfalt gegenüber regulären Wirtschaftswäldern nachgewiesen. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass es in Prozessschutzwäldern wegen ihrer artenreichen Struktur, ihres Totholzangebotes und den dabei entstehenden lichten Wäldern zu einer Steigerung der Artenvielfalt kommt. Vor allem gefährdete Arten der Roten Liste profitieren hiervon. Der Nationalpark Bayerischer Wald wird nicht umsonst als „Hot Spot der Biodiversität“ bezeichnet. Ca. 3.850 Tierarten und 760 höhere Pflanzenarten kommen hier vor. Auch der Nationalpark Berchtesgaden zählt zu den "Hot Spots der Biodiversität" im Alpenraum.

Wird durch den Nationalpark die Holznutzung in einer Region eingeschränkt?

Durch die Ausweisung eines Nationalparks kommt es zu einer veränderten Zielsetzung und damit auch zu einer Nutzungsänderung. Für den Brennholzbedarf der Bevölkerung vor Ort konnten bisher bei jedem Nationalpark gute Lösungen gefunden werden. So kann mit Hilfe eines Brennholzkonzeptes der Bedarf ermittelt und geeignete Ansätze erarbeitet werden, wie die regionale Holzversorgung auch künftig sichergestellt werden kann. So werden im Nationalpark Bayerischer Wald bestehende private Brennholzrechte nach wie vor abgegolten (z.B. mit anfallendem Holz aus dem Borkenkäfermanagement) oder, sofern möglich, gegen Entgelt erworben. Gleichzeitig ist für den Nationalpark Bayerischer Wald belegt, dass der Nationalpark für die Region eine viel größere Wertschöpfung bringt als es eine forstliche Nutzung könnte. Im Nationalpark Berchtesgaden sind die teilweise Jahrhunderte alten Holznutzungsrechte- und Weiderechte fester Bestandteil der Regelung.

Werden Privatwaldflächen oder sonstige private Flächen für einen Nationalpark herangezogen?

Nein. Für Nationalparke kommen vorwiegend Gebiete in Staatseigentum in Betracht. Private Flächen oder Flächen von Kommunen können nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Eigentümer berücksichtigt werden.